A reminder that I will be debating “Silicon Valley: from heroes to zeroes” at the Battle of Ideas in London next weekend. Do come along to the whole event.

My Financial Times review of William Domhoff’s Studying the Power Elite looks at the historical discussion of political power in America.

Should wealthy individuals have a greater say in the running of modern democratic societies than other citizens? The official answer nowadays is, arguably, no. In the early days of the US, however, voting was generally limited to property owners. But this restriction has long since gone with the gradual shift to universal adult suffrage.

In contemporary America, the richest individual and the poorest pauper have, at least on paper, an equal say in the electoral process. Bill Gates may be the world’s wealthiest person but, like everyone else, he only has one vote. In relation to voting, the principle of equality is generally accepted.

However, it is also clear that the rich have much greater means at their disposal to influence politics. They can use their considerable wealth to lobby for whatever sort of society they see fit.

This disconnect between formal equality and material inequality has long been a backdrop to political debates. Often these take the form of disagreements on whether democratic politics can be truly fair or representative in a society with stark social inequalities.

Some 50 years ago, a young member of the psychology faculty at the University of California, Santa Cruz, touched on these questions in the bestselling Who Rules America? The Triumph of the Corporate Rich. The thrust of G William Domhoff’s argument was that the empirical evidence suggested there was indeed a close-knit upper class in the US. An analysis of the data on the social composition of leading institutions showed a distinct elite was dominant. Since then he has extended and refined his thesis in several books on the same theme.

This year, Domhoff and 11 other experts have provided a series of essays giving a useful overview of the debate. Studying the Power Elite: Fifty Years of Who Rules America? is essentially an opportunity to revisit the discussion in circumstances far removed from the 1960s. In particular, economic inequality has become a more pervasive topic of concern than it was back then. As a slim volume covering a voluminous exchange, its arguments are inevitably skimpy, but it does offer a guide to the key schools of thought.

In broad terms, there are two traditional camps at either end of the spectrum in the debate on class power. At one end are self-proclaimed Marxists who see the state as an instrument of class domination. From their perspective, the ownership of the means of production enables a wealthy class of business owners to rule the rest of society. At the other end is the pluralist school. In its view, there are many social mechanisms that ensure power in the US is diffused. These include competing interest groups, voluntary associations and the influence of public opinion.

However, when Domhoff was first writing, new theories of power had recently emerged. C Wright Mills, an influential leftist sociologist, criticised both traditional camps in The Power Elite (1956). In his view the pluralists underestimated the extent to which a combination of elites — corporate, government and military — had come to play a dominant social role. Politics and politicians were, he said, under pressure to do the bidding of these elites. At the same time, he disagreed with the Marxist claim that only the corporate elite was necessarily dominant. Domhoff says his own work is “Millsian” in spirit but is enhanced by empirical studies of claims made by Marxists, pluralists and Millsians.

Another new school of thought emerging at the time was historical institutionalism. Its emphasis was on institutions as sets of social relationships that endure. There is a particular focus on formal rules and regulations, such as constitutions. Such institutions place limits on the scope for private actors, such as corporations, to influence the path of government. This school emphasises how institutions develop in different ways in different countries at different times

Although many writers contribute insights to the discussion about power, the book ultimately frustrates. Too often there is a circularity in the claims made. The thrust of many empirical studies seems to be the banal observation that individuals from elite backgrounds are overrepresented in elite institutions. Often the theorising is arid, too. There seems to be a desperate need to break out of this intellectual logjam.

Here belatedly is the full text of my article published in German in Novo on 2 October. It is in turn a translation of an article from spiked.

Ein neues Buch präsentiert das bedingungslose Grundeinkommen als utopische Vision. In Wahrheit hätte es die Verarmung der Bevölkerung zur Folge.

Das Buch „Utopie für Realisten“ von Rutger Bregman ist eine Übung in Sophisterei. Die dick aufgetragene revolutionäre Rhetorik kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Anregungen des Autors zu einer Hyper-Austeritätspolitik führen würden, die selbst die dogmatischsten Marktliberalen erröten ließe.

Beginnen wir bei den übertriebenen Ansprüchen dieses Werkes. Rutger Bregman, ein 29-jähriger niederländischer Schriftsteller, betrachtet sein Buch als einen „Versuch, die Zukunft zu erschließen“. Er stellt seine Anregungen auf eine Stufe mit den historischen Kämpfen für Demokratie, für die Abschaffung der Sklaverei und für das Frauenwahlrecht. Fehlenden Ehrgeiz kann man ihm also nicht vorwerfen.

Positiv zu bewerten ist außerdem Bregmans Argument, dass es eine Alternative zu der Welt gibt, in der wir heute leben: „Vieles könnte anders sein. Die Welt, wie sie organisiert ist, ist nicht das Ergebnis einer unumstößlichen Evolution.“

Bregmans wesentlicher Gedanke ist die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens (BGE) für jedermann – bezahlt durch den Staat. „Freies Geld für alle“ pflegt er diese Idee zu nennen. In dieser Angelegenheit sieht sich der Autor in der Tradition einer eigentümlichen Kombination von Berühmtheiten – von Verfechtern der Demokratie (Thomas Paine, Martin Luther King) bis hin zu marktliberalen Ökonomen (Milton Friedman, Friedrich von Hayek) und in Ungnade gefallene Politiker (US-Präsident Richard Nixon). Nach Bregman würde ein BGE Ungleichheit, Armut und Kriminalität senken und das Wirtschaftswachstum steigern. Um seine Behauptungen zu untermauern, greift er auf empirische Studien zurück, die größtenteils von Ökonomen durchgeführt wurden.

Im zweiten Kapitel führt Bregman eine Studie an, in der dreizehn Obdachlose von einer Wohltätigkeitseinrichtung jeweils eine Summe von 3000 Pfund in bar erhielten, die sie nach eigenen Wünschen ausgeben konnten. Nach Bregmans Darstellung war das Experiment ein voller Erfolg. Eineinhalb Jahre nach dem Beginn des Experiments hatte sich das Leben der Männer erheblich verbessert. Überdies wurden mit dem Projekt große Geldsummen gespart, die für Sozialhilfe und Polizeiarbeit angefallen wären. Dieses Beispiel dient als Grundlage für Bregmans Argument, dass ein BGE herkömmliche Sozialausgaben ersetzen würde. Seiner Meinung nach ist der Sozialstaat zu einem „perversen Ungeheuer der Kontrolle und Demütigung“ geworden. In diesem Argument steckt viel Wahrheit; es untertreibt jedoch das Ausmaß, in dem die Wohlfahrtssysteme vieler Länder individuellen Ehrgeiz und gesellschaftliche Solidarität untergraben.

Das Buch stellt auch die Behauptung auf, dass Arbeitnehmer in der westlichen Welt im Jahr 2030 nur noch 15 Stunden die Woche arbeiten werden. Die Volkswirtschaften in solchen Ländern werden angeblich so reich sein, dass es keiner längeren Arbeitszeit mehr bedarf. Obwohl Bregman diesem Thema ein ganzes Kapitel widmet, stellt er keine klare Verbindung zum BGE her. Vermutlich will der Autor zeigen, dass das BGE den Übergang zu einer müßigeren Gesellschaft vorantreiben würde.

Bregman hat in gewissen Kreisen großen Beifall für seine Argumente erhalten. Die britische Zeitung Guardian hat ihn als „niederländisches Wunderkind“ bezeichnet und zahlreiche bekannte Intellektuelle haben sein Buch empfohlen. Die Idee des BGE findet in vielen Ländern immer mehr Unterstützer. In der Schweiz wurde 2016 eine Volksabstimmung über die Einführung eines BGE durchgeführt. Allerdings stimmten nur 23 Prozent dafür. Auch in Kanada, Finnland, Indien, Kenia und in den Niederlanden wird mit dem BGE experimentiert. Wichtige Unterstützer des Konzepts kommen aus dem Silicon Valley. Der Tesla-Gründer Elon Musk hat sich dafür ausgesprochen, ebenso Sam Altman, Leiter der Gründerwerkstatt Y Combinator und Sponsor eines BGE-Pilotprogramms.

Abgesehen von dem schwülstigen Tonfall scheint auf den ersten Blick wenig gegen Bregman zu sprechen. Die Idee, dass Regierungen Milliardären Geld überweisen sollten, wirkt natürlich auf viele Menschen befremdlich, aber ansonsten scheinen die Argumente für das BGE durchaus einleuchtend. Bei genauerem Hinsehen wird allerdings deutlich, dass ein BGE in Wahrheit eine brutale Herabsetzung unseres Lebensstandards zur Folge hätte. Bregman versucht zwar, diese Konsequenzen kleinzureden. Der aufmerksame Leser erkennt jedoch, dass sie für den Autor gern in Kauf genommen werden, wenn nicht gar der Haupt-Zweck des Vorhabens sind. In dieser Hinsicht gibt es deutliche Parallelen zu den sogenannten „Ökomodernisten“, die zwar eine progressive Sprache verwenden, aber in Wahrheit noch reaktionärer als die Mainstream-Grünen sind.

„Utopie für Realisten“ befürwortet das BGE vor allem deshalb, weil es die Menschen dazu ermutigt, weniger zu arbeiten. Die Verringerung der Arbeitsmotivation ist kein unbeabsichtigter Mangel, sondern die Kernessenz des Vorschlags: „Manche Menschen werden sich dafür entscheiden, weniger zu arbeiten, aber genau das ist der Zweck.“ Bregman will, dass die Leute weniger arbeiten, damit sie weniger verdienen und somit weniger kaufen können: „Weniger zu konsumieren beginnt damit, weniger zu arbeiten.“

„Utopie für Realisten“ strotzt vor altbekannten grünen Dogmen. Nach Bregman leben wir in einer Welt des „Überflusses“ und der „Konsumabhängigkeit“. Die Massen leiden angeblich an einem „falschen Bewusstsein“. Der Autor räumt zwar ein, dass unser Konsum kurzfristig noch etwas ansteigen könnte, behauptet aber, dass dies nicht ohne Folgen wie Umweltverschmutzung und Fettleibigkeit zu haben sei.

Natürlich wäre mehr Freizeit – auf freiwilliger Basis wohlgemerkt – erstrebenswert, solange der hohe Lebensstandard dadurch nicht verloren ginge. Voraussetzung dafür wäre allerdings eine produktivere Volkswirtschaft als die jetzige. Eine dynamische Volkswirtschaft könnte die hohen Lebensstandards bei gleichzeitiger Reduzierung der Arbeitszeit auf eine 15-Stunden-Woche beibehalten. Der Ökonom Phil Mullan bespricht diese Herausforderung in seinem aktuellen Buch „Creative Destruction“.

Allerdings thematisiert „Utopie für Realisten“ die anhaltende ökonomische Lethargie des Westens in keiner Weise. Stattdessen beruft sich Bregman gerne auf kleinere akademische Studien wie die mit den dreizehn Obdachlosen in London. Der Autor vermeidet jede Diskussion über die wirtschaftlichen Probleme des Westens. Im Gegenteil: die eindeutige, aber heruntergespielte Arbeitshypothese ist die, dass die Gesellschaft in ihrem Konsum stark beschränkt werden muss.

„Utopie für Realisten“ spricht sich gegen Austeritätspolitk aus, dabei wird hier ein Programm vorgestellt, das in der Praxis die Vorschläge der sparwütigsten konservativen Politiker übertreffen würde. Damit ist Bregman ist bloß ein weiterer grüner Pessimist, der als optimistischer Zukunftsdenker gefeiert wird.

 

Delighted that Novo magazine has published a German translation of my recent spiked review of Utopia for Realists. I will upload the text in a few days.

Tuesday talk reminder

22 Sep 2017

A reminder that I’ll be talking on “Who really runs the UK?” in Shoreditch this coming Tuesday evening. Hope you can come along.

I will be speaking on Silicon Valley from Heroes to Zeroes on the second day of the weekend Battle of Ideas festival in London on  28-29 October. Come along to the whole event if you can.

On 7 September Novo magaine published a German translation of my spiked essay on Israel and anti-semitism.

Seit dem Sechstagekrieg gilt Israel vielen Kritikern als Apartheidsstaat. Die Obsession mit israelischer Politik befördert Antisemitismus.

Vor 50 Jahren erlitt die arabische Welt ein schweres Trauma. Im Juni 1967 hatte der winzige Staat Israel in nur sechs Tagen die Armeen Ägyptens, Jordaniens und Syriens vernichtend geschlagen. Regime, die von sich behaupteten, die geballte Macht der arabischen Massen und des Antiimperialismus zu verkörpern.

Um zu verstehen, warum dieser Sieg die arabische Welt derart erschütterte, muss man zunächst einen Blick auf die Landkarte der Region werfen, wie sie damals bestand. Sie zeigt den winzigen Staat Israel, der von seinen erheblich größeren Nachbarn umringt ist. Schlimmer noch: Im Verhältnis zur Gesamtgröße waren Israels Grenzen sehr lang und somit schwer zu verteidigen. Am engsten Punkt betrug die Distanz zwischen Israels Grenze mit dem Westjordanland (damals Teil Jordaniens) und dem Mittelmeer nur 15 Kilometer – eine Autofahrt von wenigen Minuten.

Auch nach anderen Gesichtspunkten war Israel seinen Nachbarstaaten unterlegen. Zum Beispiel lebten 1967 etwa 2,7 Millionen Menschen in Israel. Ägypten hingegen hatte 32,4 Millionen Einwohner, Syrien 5,8 Millionen und Jordanien 1,3 Millionen. Israels Bruttoinlandsprodukt belief sich zu diesem Zeitpunkt auf 1,4 Milliarden US-Dollar. Dagegen standen 5,6 Milliarden US-Dollar in Ägypten, 1,6 Milliarden in Syrien und 631 Millionen in Jordanien. Bezieht man die vielen arabischen Staaten mit ein, die Israels Nachbarn unterstützt haben, wird diese Diskrepanz noch größer.

Manche meinen, solche Vergleiche würden Israels Stärke kleinreden – so war die israelische Armee im Vergleich zu den arabischen Truppen besser ausgerüstet und ausgebildet ­– aber diese Debatten lenken vom eigentlichen Kern des Problems ab. Der wesentliche Punkt ist, dass sich die panarabische Vision der arabischen Regime 1967 zu einer realen Bedrohung für Israel entwickelte. In diesem Jahr konzentrierte Ägypten Truppen auf der Sinai-Halbinsel. Außerdem blockierte Ägypten die Straße von Tiran für die israelische Schifffahrt und schnitt das Land somit vollständig von seinem Zugang zum Roten Meer ab.

Am Ende wurde der Konflikt zur Demütigung für die arabischen Regime. Die israelische Armee flog einen präventiven Luftangriff und zerstörte damit den Großteil der ägyptischen Luftwaffe sprichwörtlich am Boden. Den folgenden Angriff syrischer und jordanischer Bodentruppen konnte Israel schnell abwehren. So errang Israel in weniger als einer Woche einen spektakulären Sieg gegen die vereinten arabischen Kräfte.

Israel übernahm im Westjordanland (einschließlich Ost-Jerusalem) und im Gazastreifen die Kontrolle. Heute gelten die Grenzen vor 1967 als „grüne Linie“ zwischen Israel, wie es zuvor bestanden hatte, und den palästinensischen Gebieten, die im Sechstagekrieg eingenommen wurden. Israel eroberte außerdem die Golanhöhen von Syrien und die Sinai-Halbinsel von Ägypten. Erst mit dem Friedensvertrag von 1979 wurde der Sinai wieder zu ägyptischem Hoheitsgebiet.

50 Jahre „Apartheid“?

Heute werden die Ereignisse von 1967 von vielen als Ausgangspunkt für eine Politik betrachtet, die als „Apartheid“ bezeichnet wird. Mehr als 2,7 Millionen Palästinenser leben im Westjordanland und weitere 1,9 Millionen im Gazastreifen. Dem gegenüber stehen circa 8,7 Millionen israelische Staatsbürger, von denen wiederum etwa 1,8 Millionen Palästinenser sind. In der Region leben also 6,5 Millionen israelische Juden und etwa dieselbe Zahl an Palästinensern.

Auch wenn die Grenzen des Westjordanlands und des Gazastreifens durch Israel kontrolliert werden, behält die palästinensische Bevölkerung einen gewissen Grad politischer Autonomie in diesen Gebieten. 2005 zog Israel eigenmächtig Truppen aus Gaza ab und räumte alle Siedlungen; seit 2006 herrscht die islamistische Hamas-Bewegung über die palästinensische Enklave. Nichtsdestotrotz werden die Land-, See- und Luftraumgrenzen noch immer durch israelische Truppen überwacht (mit der Ausnahme der Grenze zur Sinai-Halbinsel, die durch ägyptische Kräfte gesichert wird).

Noch komplizierter ist die Situation im Westjordanland. Einige Gebiete stehen unter der Kontrolle der palästinensischen Behörden, andere unterliegen israelischer Zuständigkeit und wieder andere einer gemeinsamen Führung. Das Gebiet wird außerdem von ungefähr 600.000 israelischen Siedlern bewohnt, die häufig in Konflikte mit den Palästinensern geraten.

Auf diesem Flickwerk gründet die Behauptung, Israel sei ein „Apartheidsstaat“. Der konkrete Vorwurf lautet, die palästinensische Bevölkerung des Westjordanlandes und des Gazastreifens würde systematisch diskriminiert. Es werde eine Politik der „hafrada“ (hebräisch für „Trennung“) betrieben, also die systematische Segregation von Israelis und Palästinensern, wobei letztere angeblich als Menschen zweiter Klasse behandelt würden. Als wichtigstes Element dieser Teilung gilt die schwer befestigte Grenze zwischen Israel und dem Westjordanland (die nicht exakt Israels Grenzen von 1967 entspricht). Israel begann 1990 mit der Errichtung der Anlage – als Antwort auf eine Welle von Selbstmordattentaten gegen Israelis.

Zweifellos erschwert die Trennung das Pendeln und Reisen für Palästinenser. Trotzdem ist die Art und Weise, wie Israel verurteilt wird, extrem problematisch. Stets bezeichnet man Israel als „Apartheidsstaat“ – ein Etikett, das für kaum ein anderes Land verwendet wird. Diesen Begriff ausschließlich im Zusammenhang mit Israel zu benutzen, unterstellt mehr als gelegentliche Diskriminierung; es stellt Israels Handlungen als beispiellos abscheulich dar.

Internationaler Vergleich

Die Einseitigkeit dieses Vorwurfs sollte jedem auffallen, der auch nur über ein bisschen Verständnis der aktuellen Weltlage verfügt. Man nehme zum Beispiel Israels Grenzanlage: Verglichen mit den Bollwerken, die Migranten von der Europäischen Union fernhalten sollen, wirkt sie beinahe winzig. Der „Grenzschutz“ der EU umfasst beträchtliche Seestreitkräfte sowie weitläufige Sperranlagen entlang der griechisch-türkischen Grenze. Über die Jahre sind viele Tausend Menschen im Meer ertrunken oder bei dem Versuch erstickt, das europäische Festland zu erreichen; dennoch wird die EU nie beschuldigt, eine Politik der Apartheid oder „hafrada“ gegen Nicht-EU-Bürger zu betreiben.

Israel kann sich zumindest darauf berufen, einer existenziellen Bedrohung gegenüber zu stehen. Die Mehrheit der arabischen Staaten weigert sich noch immer, Israel anzuerkennen und islamistische Gruppierungen drohen dem Land regelmäßig mit der totalen Vernichtung. Niemand würde hingegen ernsthaft behaupten, dass die EU bald von Außenstehenden zerstört werden könnte. Trotzdem trifft die härteste Kritik stets Israel.

Sehr erhellend ist auch der Vergleich zwischen der internationalen Verurteilung Israels und unserer Sicht auf den Konflikt in Syrien. Im syrischen Bürgerkrieg sind nach neuesten Schätzungen fast eine halbe Million Menschen ums Leben gekommen. Mehr als zehn Mal so viele wurden vertrieben oder sind ins Ausland geflüchtet. Obwohl Israels Beziehung zu den Palästinensern schwer gestört ist, erscheint das Land im Vergleich zu seinem Nachbar Syrien wie eine Oase der Stabilität. Die Kritik an islamistischen Gruppen wie ISIS ist im Westen besonders verhalten. Dabei ist das Ziel der Islamisten nicht nur die Diskriminierung, sondern der systematische Mord an großen Teilen der von ihnen kontrollierten Bevölkerung ­– einschließlich religiöser Minderheiten und gemäßigter Muslime.

Überall auf der Welt beobachten wir systematische Intoleranz und Blutvergießen. Da wäre zum Beispiel der anhaltende Krieg der Türkei gegen die Kurden; oder die humanitäre Katastrophe im Jemen, bei der saudische Luftangriffe eine Schlüsselrolle spielten; oder der andauernde Konflikt in Afghanistan, das seit Jahrzehnten unter den militärischen Interventionen anderer Staaten leidet; oder das Schicksal der muslimischen Minderheit der Rohingya in Myanmar. Die Liste könnte so noch lange weitergeführt werden – und dennoch ist es einzig Israel, das als „Apartheidsstaat“ gebrandmarkt wird.

Die unterschwellige Botschaft ist nicht nur, dass Israel die Palästinenser unter bestimmten Umständen diskriminiert – vielmehr wird angedeutet, dass Israel besonders bösartig agiert. Freilich würden die meisten, die Israel als „Apartheidsstaat“ kritisieren, den Vorwurf des Antisemitismus empört von sich weisen. Aber wie sonst gelangt man zu einer solchen Schlussfolgerung? Warum sonst sollte man sich derart auf Israels Probleme versteifen, während über andere Krisenherde nur wenig oder gar nicht gesprochen wird? Und warum wird der Apartheidsvorwurf allein und ausschließlich mit dem jüdischen Staat in Verbindung gebracht?

Die arabische Welt

Um verstehen zu können, wie diese Gewohnheit sich entwickelt hat, muss die Diskussion in der arabischen Welt, innerhalb Israels und im Westen kurz etwas näher betrachtet werden. Lange bevor es im Westen zur Gewohnheit wurde, hatten arabische Regime und deren Partner Israel als abgrundtief böse bezeichnet. Zum Teil war dies eine Reaktion auf die katastrophale Demütigung im Sechstageskrieg. Ebenso ist diese Haltung aber auch als Reaktion auf die Entwicklungen innerhalb der arabischen Welt selbst zu verstehen.

Vor Juni 1967 konnten die arabischen Regime sich als unangefochtene Herrscher der arabischen Massen präsentieren und als Bollwerk im Kampf gegen Israel. Nach dem Krieg aber war ihre Legitimität ernsthaft untergraben. Infolgedessen konzentrierte man seine rhetorische und materielle Unterstützung auf die kürzlich entstandene Bewegung des palästinensischen Nationalismus. Die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) zum Beispiel wurde 1964 gegründet, erhielt aber erst nach dem Krieg 1967 neuen Auftrieb.

Die arabischen Staaten versuchten, die PLO in eine konservativere Richtung zu lenken und fanden sich oft im Konflikt mit den Palästinensern selbst wieder. 1970 kam es zum sogenannten „Schwarzen September“, einer blutigen Auseinandersetzung zwischen dem jordanischen Regime und den palästinensischen Fedajin (Guerillakämpfer). Im Sommer 1971 wurde die Führung der PLO dann von Jordanien in den südlichen Libanon verwiesen.

Obwohl der Libanon an Israel grenzt, hielt es sich aus dem direkten militärischen Konflikt zunächst heraus. Dennoch bedrohte die starke Präsenz bewaffneter Palästinenser (von denen viele schon nach der Gründung Israels in den Libanon geflohen waren) die Stabilität im Land. Darin liegt die Ursache für den Ausbruch eines blutigen Bürgerkriegs im Libanon, der sich vom April 1975 bis in die 1990er Jahre zog. Die Palästinenser allerdings tragen nicht gänzlich oder hauptsächlich die Schuld an der Situation. Es war viel mehr deren reine Präsenz, die das empfindliche Gleichgewicht im Libanon zum Kippen brachte.

Der Konflikt der arabischen Regime mit Israel sowie die Auseinandersetzungen innerhalb der eigenen Grenzen schufen gleichermaßen die Basis für die berüchtigte UN-Resolution „Zionismus ist Rassismus“. Im November 1975 wurde diese Resolution 3379 von der Vollversammlung der Vereinten Nationen angenommen. Obwohl die Resolution mit einer feierlichen Verurteilung aller Formen von Rassendiskriminierung beginnt, fokussiert sie sich im Folgenden auf Israel allein. Sie hebt auch die Verbindungen zwischen Israel auf der einen Seite und Südafrika sowie Simbabwe (beide damals unter der Kontrolle weißer Minderheiten) auf der anderen hervor: „Das rassistische Regime im besetzten Palästina und die rassistischen Regime in Simbabwe sowie Südafrika haben einen gemeinsamen imperialistischen Ursprung, bilden ein Ganzes mit derselben rassistischen Struktur und sind in ihrer auf Unterdrückung der Würde und Integrität von Menschen gerichteten Politik untrennbar verbunden.“

Diese Resolution, unterstützt von den arabischen Staaten, setzte sich in der UN-Vollversammlung mit großer Mehrheit durch. Erst 1991 wurde sie widerrufen, lange nachdem die besondere Bösartigkeit Israels – zumindest in den meisten Entwicklungsländern – längst als Tatsache anerkannt worden war. Zwei weitere Passagen dieser fatalen Resolution sind nennenswert. Erstens: Obwohl die Resolution den Begriff „Zionismus“ viermal verwendet, bezieht sie sich in keinem Punkt auf Israel. Es wirkt so, als dürfe dieses übermächtige Land nicht einmal beim Namen genannt werden. Zweitens: Vielleicht noch wichtiger ist der Umstand, dass das palästinensische Volk nicht erwähnt wird. Auf das „rassistisches Regime im besetzten Palästina“ wird an einer Stelle hingewiesen, eine Nennung der Palästinenser selbst erfolgt jedoch nicht. Die arabischen Staaten und deren Unterstützer nutzen jede Gelegenheit, den Zionismus heftig zu kritisieren, schrecken aber im selben Zug davor zurück, den Palästinensern aus Fleisch und Blut tatsächlich zu helfen. Lieber stürzen sie sich auf den Zionismus als frei flottierendes Übel, das jeden anständig Denkenden anwidere.

Die Stigmatisierung Israels war für die arabischen Regime also vor allem eine Möglichkeit, ihre eigene Legitimität zu stärken. Sie erlaubte ihnen, sich selbst als Gegengewicht zu Israels vermeintlich schändlicher Macht darzustellen. Natürlich hinderte diese Position die lokalen Regime nicht daran, jede palästinensische Opposition gewaltsam niederzuschlagen, sobald man in ihr eine Bedrohung sah.

Israelische Debatte

Um die Apartheidsvorwürfe in ihrer Gänze zu erfassen, muss man auch die Debatte innerhalb Israels betrachten. Das ist schon allein deshalb notwendig, weil Gegner von außen die Argumente dieser Debatte gegen Israel ins Feld führen. Zunächst einmal haben viele populäre israelischen Politiker vor der Gefahr gewarnt, Israel könne sich zu einem Apartheid-Staat entwickeln oder bereits einer sein. Das schließt auch ehemalige Premierminister wie Jitzchak Rabin, Ehud Barak und Ehud Olmert ein.

Andere Israelis wählen sogar noch schärfere Töne. Da wäre zum Beispiel der jüngste TV-Monolog von Assaf Harel, einem bekannten israelischen Moderator, Autor und Schauspieler: Harel zerreißt die israelische Politik und Haltung gegenüber den Palästinensern schonungslos. In Amerika oder Großbritannien findet sich kaum jemand, der so entschlossen für die Demokratie im eigenen Land einsteht. Dagegen machen etliche westliche Comedians die Demokratie eher zur Zielscheibe ihres Spottes; man denke nur an die spöttische Attitüde vieler britischer Comedians gegenüber dem Brexit.

In jedem Fall besteht zwischen der inländischen israelischen Kritik und den ausländischen Gegnern Israels ein entscheidender Unterschied. Die internen Kritiker betrachten Israel für gewöhnlich nicht als Ausgeburt des Bösen (von einigen Ausnahmen abgesehen). Aus ihrer Sicht befindet sich Israel in einem Zustand, der weder Krieg noch Frieden ist. Sie lehnen Israels Besetzung des Westjordanlandes und die Kontrolle über Gaza ab; ebenso wie die Konsequenzen, die dies für die israelische Gesellschaft hat. Außerdem bedauern sie, dass kein Frieden in Aussicht scheint. Aber sie sehen Israel nicht als allgegenwärtige Macht des Bösen, das sich in seiner Abscheulichkeit von allen anderen Regimen abhebt.

Boykottiert den Judenstaat

Die westliche Debatte über Israel als Apartheidsstaat ist ein relativ neues Phänomen. Wirklich in Bewegung kam sie eigentlich erst ab dem Jahr 2000. Im April 2002 sandten zwei britische Akademiker einen offenen Brief an The Guardian, in dem sie einen Stopp aller kulturellen und Forschungsbeziehungen zu Israel forderten. Im Juli desselben Jahres war die Anzahl der unterzeichnenden Akademiker von 100 auf über 700 gestiegen. Darüber hinaus kam diese Unterstützung aus vielen verschiedenen Ländern. Seitdem hat der Aufruf zum Boykott und zur Isolation Israels an Gehör gefunden.

Eine Gruppe von palästinensischen NGOs rief 2005 dann die Bewegung „Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen (BDS)“ ins Leben. Die Kampagne verurteilt Israel explizit als Apartheidsstaat. Die BDS macht dabei klar, dass die Verwendung des Begriffes „Apartheid“ nicht von Ähnlichkeiten zwischen der israelischen Politik und der Apartheid in Südafrika abhängt. Stattdessen berufe man sich auf die Definition des Begriffes, wie er sich im Römischen Statut des Internationalen Strafgerichtshofes von 2002 findet. Dieses Dokument bezieht sich wiederum auf „institutionalisierte Regime der systematischen Unterdrückung und Beherrschung einer oder mehrerer anderer rassischer Gruppen durch eine andere und in der Absicht, dieses Regime aufrechtzuerhalten.“

Selbst wenn diese Definition gälte – und daran lässt sich mit guten Gründen zweifeln –, stellt sich doch wieder einmal die Frage, warum Israel ausgesondert wird. Es gibt etliche Beispiele anderer Regime überall auf der Welt, die dieser Charakterisierung entsprechen und trotzdem nicht isoliert werden. Was ist mit den Millionen koptischen Christen in Ägypten? Oder der schiitischen Minderheit in Saudi-Arabien? Oder den Kurden in der Türkei? Oder den zahllosen anderen Beispielen von unterdrückten Menschen auf der Welt?

Und dennoch ist die Unterstützung für die BDS-Bewegung im Westen gewachsen. Die „Israel Apartheid Week“ ist an Universitäten überall auf der Welt zu einem jährlichen Ritual geworden. Israelis und Unterstützer Israels sind zu Opfern von teilweise sogar gewalttätigen Schikanen geworden. Die Europäische Union wiederum ist der Auffassung, dass Produkte, die in israelischen Siedlungen hergestellt wurden, als solche gekennzeichnet werden müssten. Begründet wird dies mit dem Argument, dass israelische Siedlungen nach internationalem Recht illegal wären. Wieder einmal ist die Doppelmoral der Union kaum zu übersehen.

Sicherlich ist die westliche Kritik an Israel an sich nichts Neues. Viele haben in der Vergangenheit gerechtfertigte Kritik an politischen Maßnahmen geübt, was auch heute noch vorkommt. Früher gab es auch einen linksrevolutionären Zweig, der Israel als Teil westlicher Dominanz über ärmere Nationen betrachtet hat. Dessen Absicht lag allerdings nicht darin, Israel als Einzelfall hinzustellen, sondern es ganz im Gegenteil in den Kontext westlicher Interventionen im Ausland zu stellen. Aus dieser Perspektive war Israel wohl eher ein relativ kleines Zahnrad als eine übermächtige Kraft.

Demgegenüber leiden die selbsternannten Linken heute oft unter einer ungesunden Israel-Besessenheit. Für die Linke – falls man sie noch so nennen kann – ist die Opposition gegenüber dem jüdischen Staat zum Identität stiftenden Merkmal geworden. In ihrem desorientierten Zustand hat sie die israelische Apartheidsdebatte aufgegriffen, um sich selbst wieder ein Gefühl von Bedeutung zu geben. Auf diesem Wege hat sie sich antisemitischen Tendenzen angepasst.

Selbstverständlich weist die große Mehrheit der westlichen Linken den Vorwurf des Antisemitismus weit von sich. Sie denken dabei an gewalttätige Nazi-Schläger mit Glatzen. Sie erkennen nicht, dass die Sonderverurteilung Israels als Apartheidsstaat ebenfalls eine Form von Intoleranz ist – auch wenn sie von besonders kultivierten Akademikern geäußert wird.

Fünfzig Jahre nach dem Sechstagekrieg gibt es viel legitime Kritik an der Behandlung der Palästinenser, die sich an Israel richten ließe. Israel hingegen als eine weltweit einzigartig böse Macht darzustellen, sollte endlich als das begriffen werden, was es ist: eine Form des Judenhasses.

My review of James Montague’s The Billionaires Club: The unstoppable rise of football’s super-rich owners was published by the Financial Times last Friday (1 September).

In The Wire, the acclaimed US television crime drama, Detective Lester Freamon says: “You follow drugs, you get drug addicts and drug dealers. But you start to follow the money and you don’t know where the f*** it’s gonna take you.”

This is the explicit premise of James Montague’s book The Billionaires Club: The Unstoppable Rise of Football’s Super-Rich Owners, which opens with the quote and goes on to follow the stories of these wealthy buyers.

The Wire starts as a tale of the Baltimore police department battling drug dealers but soon turns into something bigger. In the course of its five series, it covers not only the drugs trade but also life in the docks, city politics, education and the media. Many of its ardent fans see it as revealing a deeper truth about US society.

Montague attempts to emulate this model. His focus is the entry of super-rich individuals into the ownership of English Premier League football clubs. Russian billionaire Roman Abramovich set the pattern in 2003 with the purchase of Chelsea FC.

Since then, foreign owners have taken control of many teams including Sheikh Mansour bin Zayed Al Nahyan, a member of the Abu Dhabi royal family in the United Arab Emirates, at Manchester City, and John Henry from the US, who made his fortune as a commodities trader and is best known for purchasing the Boston Red Sox baseball team, at Liverpool. The diverse international origins of these owners allow Montague to discuss developments in eastern Europe, the US, Asia and the Middle East.

Most billionaires who buy football clubs are not motivated by the hope of a direct financial gain, they say. Abramovich, for example, described it as a hobby in a BBC interview on the subject in 2003. “No, it’s not about making money. I have many much less risky ways of making money than this. I don’t want to throw my money away, but it’s really about having fun and that means success and trophies.”

So whereas the average football fan might buy tickets for a match or purchase team merchandise, someone as wealthy as Abramovich can afford to buy the club.

Sometimes wealthy individuals who are not necessarily avid football fans see broader advantages to buying clubs. For instance, it is widely known that Xi Jinping, the Chinese president, is passionate about the game. As a result, several members of the Chinese business elite have made huge investments in foreign football clubs in an apparent attempt to curry favour with their nation’s leader.

The main exceptions to the rule about money being secondary are American. The Glazer family’s purchase of Manchester United, John Henry’s of Liverpool and Stan Kroenke’s acquisition of a large stake in Arsenal were all commercially driven, they say. Another thing they all have in common is the ownership of US sports franchises.

Montague presents the American billionaires as wanting to introduce US-style sports practices into the UK. These include accessing public subsidies by persuading local authorities to finance the building of new stadiums. He also suggests US owners would favour abolishing the system in which teams that perform poorly are relegated to a lower division.

The Billionaires Club is likely to be a fascinating read for the many football fans interested in developments off the pitch. Although they will often be familiar with their own team’s owner, the book provides the back stories to many more. But as an attempt to reveal deeper truths it is less successful. It is undoubtedly the case, as Montague suggests, that the world is highly unequal. It is also true that many wealthy individuals are involved in murky business dealings. At best the book adds details to a story that is already known in the outline.

Unlike in the The Wire, it is always fairly clear where following the money in football will lead even if the journey is an entertaining one.

 

I will be doing a talk on “Who Runs the UK?” on the evening of Tuesday 26 September in London. More details to follow before too long.

The Wisdom of Money

4 Jul 2017

This review appeared in the Financial Times on 23 June.

It is all too easy for individuals to think that assumptions prevalent in their own country are universal. Take, for instance, the thorny question of politeness. What is considered reasonable behaviour in one country can be seen as outrageously rude in another. Just look at the faces of passengers on the London Underground when someone barges through a queue to get on to a crowded tube train.

The same is true of attitudes to money and to wealth more generally. What some might consider vulgar and ostentatious might be seen by others to be in the finest taste.

Pascal Bruckner’s The Wisdom of Money should be viewed in this context. It is essentially an attempt by a leading French intellectual to persuade his compatriots to alter their view of money. In Bruckner’s view, money should be treated as a serious subject rather than denigrated. He rejects the centuries of derision that literary figures have, he argues, heaped on to money and prosperity.

For instance, take his view on what he describes as the “soft Bolshevism” prevalent in France. It is common for leading political and cultural figures to condemn materialism, distrust the market and excoriate high finance. At the same time, he says, the poor are often venerated.

Such rhetoric may sound radical but Bruckner is right to argue that in some respects this egalitarian ethos is deeply conservative. The underlying message is that the working and middle classes should be ashamed to express great ambitions. Everyone should be willing to limit their material aspirations for the sake of society as a whole. This is a recipe for social stasis that inevitably favours those currently in positions of wealth.

Bruckner concludes that French anti-materialism amounts to a rejection of human progress. “When a people claims to renounce money and the benefits it provides, that is because it also wants to renounce history. And that proves that it no longer has confidence in itself.”

Bruckner is on weaker ground when he discusses the American attitude to wealth. Historically, it is true that the US has seen itself as the land of opportunity where anyone who works hard can achieve the American dream of prosperity. But he fails to see that in some respects the US has become more like France in that it has become uneasy with money.

Take, for example, the idea that “greed is good”. Bruckner describes this as the “American credo” as opposed to the French “cult of pleasures”. But he has apparently forgotten that the slogan was coined as part of an attack on the perceived excesses of US wealth.

“Greed is good” was the most memorable line of Gordon Gekko, a corporate raider, in Oliver Stone’s 1987 film Wall Street. Yet Stone’s goal was not to celebrate wealth but to warn of its potential dangers. Gekko was the villain of the piece. Stone is far from alone in voicing such criticism even in the US. Some 30 years on from the original film such views have become widespread. It is not that most Americans are opposed to wealth in principle but it often arouses anxiety.

Just consider the vast number of books and articles that warn of the dangers of excessive consumption. Too great a focus on accumulating wealth is said to lead to dangerous inequality, widespread misery and even to threaten the planet’s survival.

The rise of this critical attitude towards consumption also helps explain why the wealthy are keen to be seen promoting philanthropic initiatives. Many rich individuals are eager to rebut the charges made against them and show that they play a beneficial social role.

The US and France maintain distinct attitudes on many topics including wealth. But they have arguably converged to a greater extent than those on either side of the Atlantic would like to admit.